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Denkmalschutz in Hamburg

Empfehlung der dba

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Neubau & Umbau der Alsterschwimmhalle in Hamburg

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Denkmalschutz in Hamburg | Im Rahmen des dba Magazins – Ausgabe Metropolregion Hamburg 2024/25 thematisiert Dr. Anna Joss, Leitung Denkmalschutzamt Hamburg bei der Behörde für Kultur und Medien Hamburg, in einem Vorwort die Wichtigkeit des Denkmalschutzes.

Portraitfoto von Dr. Anna Joss, Leitung Denkmalschutzamt Hamburg bei Behörde für Kultur und Medien Hamburg
Dr. Anna Joss, Leitung Denkmalschutzamt Hamburg bei Behörde für Kultur und Medien Hamburg © Hernandez für Behörde für Kultur und Medien

Wozu brauche ich als Baumeister:in oder Architekt:in die Denkmalpflege? Mit ca. 3% ist zwar der Anteil der denkmalgeschützten Gebäude am Gesamtgebäudebestand in Deutschland verschwindend klein, bei denen die Denkmalpflege beratend tätig ist. Doch als Expertin mit jahrzehntelanger Erfahrung im Bauen im Bestand ist sie gefragt wie nie zuvor. Die Denkmalpflege wird gerade zur unentbehrlichen Partnerin bei den aktuellen dringlichen Fragestellungen von Klimaschutz über Ressourcenschonung bis Nachhaltigkeit. Das stellten wir kürzlich an einem Treffen der Amtsleiter:innen der Denkmalfachämter fest (zur VDL – Vereinigung der Denkmalfachämter in den Ländern).

Denkmalpfleger:innen sowie auch die Denkmäler selbst sind wichtige Wissensträger. Wir halten jahrzehntelang aufgebaute Methodenkompetenz und Potenziale bereit, die für die Weiterentwicklung des gesamten Baubestands und die Lösung von gesamtgesellschaftlichen Problemen gebraucht werden: zur Suffizienz und Konsistenz, zur Ressourcenschonung und Nachhaltigkeit, zum historischen Bau- und Reparaturwissen. Denkmalpfleger:innen kennen die Vorteile kompakter historischer Städte, identitätsstiftender Orte, erkennen Umnutzungspotenziale und verfügen über das Know-How zur Werterhaltung und der Renditen durch Langlebigkeit sowie der Vermeidung von Grauer Energie. Der Bedarf nach Wissens- und Techniktransfer zum Bauen im Bestand ermöglicht, dass Branchen miteinander sprechen, denen der Austausch bisher fehlt.

Für das Bauen im Bestand gibt es heute noch einige strukturelle Hürden. Die Bauwelt träumt einmal mehr vom seriellen (Neu-)bauen und fürchtet sich häufig eher vor dem Bauen im Bestand, weil letzteres immer eine Einzelfallbetrachtung bedeutet. Die Denkmalpflege kennt Lösungen dafür: Der wichtigste Schlüssel zum Erfolg wäre eine „Planungsphase 0“ mit einer gründlichen Bestandsanalyse und fallweise auch einer Bauforschung. Eine gute Grundlage macht das Bauen berechenbarer, gibt Planungssicherheit und ist damit letztlich auch günstiger. Noch ist die Phase 0 nicht im Planungsablauf vorgesehen und wenn Architekt:innen sie doch durchführen, werden sie meist mehr schlecht als recht dafür bezahlt. Folglich werden Kosten und Zeitaufwand oft nur geschätzt und Denkmäler erhalten häufig einen „Angstzuschlag“ als angeblich besonders anspruchsvolle Einzelfälle. Ein positives Gegenbeispiel ist die Alsterschwimmhalle, erstellt 1973. Dank einer gründlichen Planung und einem guten Abstimmungsprozess mit allen Beteiligten wurde sie von 2020 bis 2023 durch das Büro gmp umfassend instandgesetzt, umgebaut und erweitert und dies alles im Zeitplan und Kostenrahmen.

Zudem brauchen wir die entsprechenden Ausbildungsinhalte in den Bauberufen: Ich werde nicht vergessen, wie bei einem Einführungsreferat in einer Hochschule einer der Dozenten meinte, ob die Denkmalpflege nicht etwas offener sein sollte für das Neue und das Weiterbauen und ich gar nicht zu Wort kam, weil die Studierenden heftig widersprachen und meinten: Ob Denkmale oder nicht, die Zeiten des Weiterbauens im Sinne vom Neubauen seien vorbei: Jetzt werde erhalten, weil Ressourcenschonung, CO2 Reduktion etc. – Hören wir auf die Studierenden, denn sie sind die künftigen Akteur:innen unserer gebauten Zukunft.

Dr. Anna Joss
Leitung Denkmalschutzamt Hamburg bei der Behörde für Kultur und Medien Hamburg