Interview mit Theresa Schopper zur Stadtentwicklung in Baden-Württemberg

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Für das dba Magazin – Ausgabe Baden-Württemberg 2027 hat die dba Redaktion Theresa Schopper, Ministerin für Landesentwicklung und Wohnen in Baden-Württemberg interviewt.

Ministerin Theresa Schopper © Lukas Breusch

Sehr geehrte Frau Ministerin Schopper,

vielen Dank, dass Sie sich Zeit für dieses Interview nehmen. Stadtentwicklung betrifft die Menschen in Baden-Württemberg ganz konkret – von der Miethöhe über leerstehende Ortskerne bis zur Hitze in unseren Innenstädten. Gerade zu Beginn Ihrer Amtszeit in diesem Ressort interessiert uns, welche Prioritäten Sie setzen.

Sie kennen die Landesregierung seit 2016 aus verschiedenen Rollen – als Koordinatorin der Koalition und als Kultusministerin. Jetzt verantworten Sie Landesentwicklung und Wohnen. Was hat Sie an diesem Wechsel gereizt, und was nehmen Sie aus Ihrer bisherigen Laufbahn mit?

Ähnlich wie beim Thema Schule betrifft auch das Wohnen sehr viele Menschen im Land. In diesem Fall sogar wirklich alle. Bezahlbarer Wohnraum zählt zu den großen sozialen Fragen unserer Zeit. Bezahlbare Wohnungen sind in vielen Regionen knapp und die Bauwirtschaft steckt in der Krise. Deshalb müssen wir alles dafür tun, damit wieder mehr Wohnungen im Land entstehen. Das ist eine riesige Herausforderung und etwas Erfahrung mit anderen Baustellen der Landespolitik kann dabei sicher nicht schaden.

Der Landesentwicklungsplan wird nach über 20 Jahren neu aufgestellt. Was ändert sich für Städte und Gemeinden dadurch konkret – und welche Prioritäten setzen Sie persönlich in diesem Prozess?

Das stimmt. Nach fast 25 Jahren ist es jetzt Zeit für einen neuen Landesentwicklungsplan. Mit der Landesplanung arbeiten wir daran, wie Baden-Württemberg in Zukunft aussehen soll. Das hat für Baden-Württemberg als starken Wirtschaftsstandort und Raum für ein gelingendes Zusammenleben ganz grundlegende strategische Bedeutung. Es geht um eine verlässliche Daseinsvorsorge für alle. Es geht um ausgewogene Beziehungen zwischen Stadt und Land, zwischen Natur und Infrastruktur und um die Frage, wie und in welchem Maß wir unser Land klimafreundlich nutzen, schützen, erhalten und entwickeln. Unser Ziel: gleichwertige Lebensverhältnisse in Stadt und Land.

Die Mietpreisbremse gilt in Baden-Württemberg in rund 130 Kommunen. Sie existiert auf dem Papier, aber in der Praxis zahlen viele Mieterinnen und Mieter trotzdem Preise, die mehr als 10% über dem ortsüblichen Mietspiegel liegen. Was tut das Land konkret, damit bezahlbares Wohnen nicht nur auf dem Papier besteht, sondern auch tatsächlich durchgesetzt wird?

Die Mietpreisbremse ist ein wichtiges Instrument gegen steigende Mieten in angespannten Wohnungsmärkten. Unser Ziel ist eine Mietpreisbremse, die präzise dort wirkt, wo der örtliche Wohnungsmarkt und die Mieterinnen und Mieter sie auch benötigen. Deshalb wollen wir die Mietpreisbremse auch verlängern und dabei die Grundlage für die sogenannte Gebietskulisse bedarfsgerecht anpassen, damit mehr Menschen vor zu hohen Mieten geschützt sind. Ich persönlich würde mir auch eine Regelung wünschen, die von Mieterinnen und Mietern noch leichter durchgesetzt werden kann. Aber hier ist zunächst der Bund gefragt.

Steigende Grundstückspreise gelten als einer der größten Preistreiber beim Wohnen. Welche aktiven Instrumente – etwa kommunale Vorkaufsrechte oder eine Grundsteuer C – plant das Land, um Grundstücksspekulation einzudämmen?

Die Grundsteuer C können die Städte und Gemeinden in Baden-Württemberg schon seit 2025 auf baureife, aber unbebaute Grundstücke erheben. Im Koalitionsvertrag haben wir uns vorgenommen, junge Familien beim Kauf der ersten eigenen Immobilie zu unterstützen. Wir wollen dafür mit dem „HeimVorteil BW“ einen gezielten Beitrag zur Eigentumsbildung leisten und stärken damit die Altersvorsorge breiter Bevölkerungsschichten. Dafür setzen wir uns beim Bund für Freibeträge beim Ersterwerb ein.

Viele Städte und Ortskerne kämpfen mit Leerstand, während gleichzeitig neue Wohnflächen ausgewiesen werden. Wie will das Land verhindern, dass Ortskerne veröden, während am Ortsrand weitergebaut wird?

Wir wollen keine Donut-Städte mit fetten Rändern und einem leeren Kern. Deshalb gilt in Baden-Württemberg seit Jahren der Grundsatz Innen- vor Außenentwicklung. Das heißt, dass zunächst innerörtliche Flächen bebaut werden oder bestehende Gebäude aufgestockt werden, bevor ein neues Baugebiet auf der grünen Wiese entsteht. Für die Kommunen ist das eine große Herausforderung. Deshalb unterstützen wir die Städte und Gemeinden auf diesem Weg mit Anreizen, z.B. im Rahmen des Programms „Flächen gewinnen durch Innenentwicklung“. In der Landesbauordnung haben wir die Verfahren beispielsweise für Aufstockungen vereinfacht. Außerdem werden wir die Kommunen bei der Erstellung einer Leerstandsübersicht unterstützen.

Innenstädte heizen sich im Sommer durch versiegelte Flächen immer stärker auf. Mit welchen konkreten Förderprogrammen oder Vorgaben unterstützt das Land dabei, Städte klimaresilienter zu gestalten – etwa durch Entsiegelung, mehr Grün- und Wasserflächen?

Seit 2026 unterstützen wir Kommunen, die eigene Flächen entsiegeln, ganz konkret mit bis zu 40.000 Euro. Diese Entsiegelungsprämie stellt einen Anreiz dar, mit dem wertvollen Gut Fläche möglichst klimaschonend und effizient umzugehen.

Außerdem sind Maßnahmen zum Klimaschutz und zur Anpassung an den Klimawandel bereits seit Jahren Schwerpunkte der Städtebauförderung. Damit helfen wir den Städten und Gemeinden dabei, die Lebensqualität der Menschen weiter zu verbessern und den Wandel vor Ort zu gestalten. Das Förderspektrum ist dabei breit: Gebäude werden modernisiert, öffentliche Räume aufgewertet, so genannte grüne und blaue Infrastruktur in die Stadt gebracht und nicht zuletzt dringend benötigter Wohnraum geschaffen. Das Programm ist damit quasi ein Alleskönner in der Förderlandschaft des Landes – und ein verlässlicher Partner der Kommunen seit 55 Jahren.