Im Rahmen des dba Magazins – Ausgabe Metropolregion Rhein-Main thematisiert Herr Achim Schwickert, Innenminister des Landes Rheinland-Pfalz, in einem Grußwort die Infrastrukturentwicklung im Rhein-Main-Gebiet.

Verkehrsinfrastruktur prägt heute mehr als je das Bild unserer Städte. Von Vielen und lange Zeit wurde sie zunächst als Heilsbringer und später als Störfaktor in der Stadt gesehen. Die in den 70er Jahren auch im Rhein-Main-Gebiet verfolgten Hochstraßenprojekte –man denke nur an Mainz oder auch Wiesbaden – sind hier Beispiele. Umgekehrt verband sich mit verkehrsgünstig gelegenen Orten auch der Anspruch, städtebauliche Akzente zu setzen. Denken wir nur an die Bahnhöfe, und auch hier sind Mainz und Wiesbaden wieder herausragende Beispiele, die seit eh und je Anziehungskraft auf Menschen und Unternehmen entfalten. Viele Bahnhöfe haben in den letzten Jahrzehnten eine Renaissance erlebt und sich- auch in der Region – sehr positiv entwickelt. Selbst Parkflächen können spannende Formen annehmen, wie z.B. die große Radabstellanlage in Ingelheim beweist.
Dass Verkehrswege selbst aber auch als Umfeld interessant sind, zeigt die Attraktivität der Standorte an der Wasserstraße, etwa am Zollhafen in Mainz. Das Wohnen am Wasser profitiert von der Kulisse, und die Stadt insgesamt von den Besuchern, die sie über das Wasser erreichen.
Verkehrsinfrastruktur darf in seiner städtebaulichen Qualität nicht nur aus der Perspektive des Außenstehenden, sondern sollte auch aus der des Nutzers gedacht werden. Der neue Radweg etwa, der unter der Schiersteiner Brücke „aufgehängt“ ist ermöglicht nicht nur Zugänge, sondern auch Einblicke auf die Rettbergsaue, einer der bedeutendsten Naturschutzgebiete am Rhein. Gerade im Radwegenetz werden solche Perspektiven erschlossen und genießbar und in Rheinland-Pfalz arbeiten wir mit den Kommunen intensiv an dieser Qualität.
Für die vom Verkehrslärm belasteten Stadtregionen kann die Elektromobilität Verbesserungen bringen. Elektro-Lkw sind drastisch leiser als solche mit Verbrenner-Motor und viele Unternehmen in Rheinland-Pfalz, allen voran Daimler in Wörth, arbeiten an dieser stadtverträglichen Innovation, die nicht nur Lärm, sondern vor allem die Abgase massiv reduziert. Gleiches gilt für die Flotte der Busse, die sich im Umbruch der Antriebswende befindet. Ich bin sicher, dass wir hier schon bald viele Verbesserungen für die städtischen Regionen erreichen können: An einer vielbefahrenen Straße zu wohnen, wird dann nicht nur noch Makel, sondern kann auch wieder Lebendigkeit sein.
Um das zu erreichen, setzen wir uns für den Ausbau der Ladeinfrastruktur ein, die im Rhein-Main-Gebiet aus meiner Sicht gut vorankommt. Häufig sind hier regionale Anbieter und auch Startups die treibenden Kräfte.
Wichtig ist, ein Gleichgewicht zwischen den Anforderungen der Aufenthaltsqualität und der Erreichbarkeit zu finden. Häufig geht beides zusammen und vieles kann man den Menschen selbst überlassen, ohne detaillierte Regelungen – gerade das macht die Freiheit der Städte aus. Dabei kann uns die Digitalisierung helfen, den richtigen Weg zu finden. Digitale Informationen können Staus bei Baustellen verkleinern, die Fahrradfahrer und Fußgänger sicher lotsen, Barrierefreiheit umsetzen und den Fahrgast eine angenehme Fahrt ermöglichen. In ganz Rheinland-Pfalz und auch in Kooperation mit den hessischen Kolleginnen und Kollegen arbeiten wir daran, die richtigen Informationen in hoher Qualität und flächendeckend zu liefern.
Schon immer haben die Städte aus ihren Verkehrswegen gelebt und diese Chance sollten wir auch in Zukunft entwickeln – in enger Kooperation zwischen Kommunen und Land und natürlich auch über den Rhein hinweg.
Achim Schwickert
Innenminister des Landes Rheinland-Pfalz





