Das Zukunftsquartier am Hessenring 16-38 in Rüsselsheim zeigt den innovativen und modellhaften Umgang mit einer typischen Zeilenbausiedlung der 1960er Jahre, bestehend aus vier Häuserzeilen.
Jedes der vier bestehenden Gebäude wird aufgestockt und mittels offener Stegverbindung mit einem Neubau aus Holz mit Aufzug (Satellit) erweitert. Ergänzt wird die Baumaßnahme durch einen weiteren freistehenden Neubau.
Über die Erschließung der Aufstockung mit Laubengängen lassen sich dann mit nur einem Aufzug alle zusätzlichen Wohnungen barrierefrei bzw. rollstuhlgerecht und zugleich wirtschaftlich gestalten.
Die vier angebauten Satelliten und der freistehende Neubau orientieren sich in ihrer Lage jeweils am alten Baumbestand und ergänzen die Bestandsgebäude. Hierbei entstehen je sechs zusätzliche 1- bis 5-Zimmer-Wohnungen.
Die begehbaren Flachdächer der Satelliten mit Urban-Gardening-Flächen und Gemeinschaftsbereichen kompensieren den durch Nachverdichtung reduzierten Freiraum und schaffen neue gemeinschaftliche Nutzungsmöglichkeiten.
Alle Anbauten und Aufstockungen sind von außen als neu hinzugefügt erkennbar und erhalten eine profilierte, vorvergraute vertikale Lärchenholzverschalung, welche einen reizvollen Kontrast zu den hell geputzten modernisierten Bestandshäusern mit den weiß beschichteten Balkonanlagen aus Metall bildet. Die unterschiedlich farbig codierten Stahltreppen, Spielgeräte und Briefkastenanlagen schaffen ein identitätsstiftendes Erscheinungsbild sowie eine klare Wegeführung und Zuordnung der Eingänge innerhalb der Anlage.
Aus den ursprünglich 72 bestehenden Wohnungen entstehen insgesamt 124 moderne Einheiten mit einer Wohnfläche von insgesamt 8.673 m². Sie bieten ein generationsübergreifendes Wohnangebot mit hoher Aufenthaltsqualität.
Bereits in der Bauphase wird ein möglicher quartiersinterner Umzug für einen Teil der Bewohner berücksichtigt: Im ersten Bauabschnitt werden zwei Riegel modernisiert und 24 Wohnungen fertiggestellt. So können die Bewohner der beiden verbleibenden Bestandsriegel anschließend in diese Wohnungen umziehen und so im vertrauten Umfeld bleiben.
Die neu geordneten Freiflächen setzen auf nicht-lineare Wegeführungen und den weitgehenden Erhalt wertvoller Vegetation, ergänzt durch heimische Gehölze.
Ökologie und Ressourcenschonung prägen das gesamte Vorhaben. Die Bestandsgebäude werden energetisch umfassend saniert (KfW 55), wodurch graue Energie genutzt und der Materialeinsatz reduziert wird. Neubauten und Aufstockungen entstehen in vorgefertigter Bauart mit hochgedämmten Außenwänden und sichtbaren CLT-Holzdecken. Die Holzsystembauweise verkürzt die Bauzeit, reduziert Belastungen für die umliegenden Anwohner und senkt den CO2-Fußabdruck. Durch die Kombination aus Wärmepumpentechnik und einer 90-kWp-Photovoltaikanlage werden 75 % Energie und 69 % CO₂ eingespart.
Mit seinen anpassungsfähigen, modularen Maßnahmen besitzt das Projekt Modellcharakter für zahlreiche ähnliche Nachkriegssiedlungen, wie sie in vielen deutschen Ballungsgebieten zu finden sind.
Dieses Projekt teilen:Baustart:
21.03.2022
Fertigstellung:
30.09.2025
Nutzungsart:
Wohnen
Fläche:
BGF 15.425 m²
Wohnfläche:
8.673 m²
Wohneinheiten:
124 Wohneinheiten in insgesamt 9 Gebäuden
Projektziele:
Innenentwicklung und Ressourcennutzung, Quartier für alle Lebensphasen, Erhalt des Baumbestands, Nachhaltigkeit und Klimaschutz
Auszeichnungen:
4. Hessischer Preis für Innovation und Gemeinsinn (ein 1. Preis), GFB-Zukunftspreis 2023
gewobau Gesellschaft für Wohnen und Bauen Rüsselsheim mbH
FFM-ARCHITEKTEN. Tovar + Tovar PartGmbB






