Siemens Campus Erlangen | Module 1 - 3

Mit dem Siemens Campus Erlangen entsteht ein neuer Stadtteil – „Eleganz statt Schrillheit“
2015 entscheidet sich in Erlangen eine hochrangig besetzte Jury für einen städteplanerischen Entwurf des Büros KSP Jürgen Engel Architekten aus Frankfurt/Main. Der Inhalt: Die Umplanung des bis dato geschlossenen, weltweit größten Siemens-Standorts zu einem modernen offenen Stadtteil, der Arbeiten und Leben verbindet und gleichzeitig – wie der damalige Siemens-CEO Joe Kaeser sagt – „Spitzenforschern aus aller Welt ein Zuhause bietet“. Ende 2022 ist es so weit: Die ersten großen Bauabschnitte mit zwölf neuen Bürogebäuden, sechs Parkhäusern, einem Laborgebäude, einem Ausbildungszentrum und dem neuen zentralen Empfangsgebäude sind fertig. Der Siemens Campus Erlangen – so der offizielle Name – wird eröffnet. Und die Bauarbeiten gehen weiter. Bis in die 2030er Jahre hinein wird der Campus weiter wachsen.

Für den Campus Erlangen hatte Bauherr Siemens Real Estate, Immobilienunternehmen der Siemens AG, vom ersten Tag an klare Vorstellungen: hohe städtebauliche und gebäudeplanerische Qualitäten waren gefragt, die schlüssig und überzeugend sowohl ökologische als auch ökonomische Aspekte berücksichtigen. Mit hoher Flächeneffizienz in den Gebäuden und dadurch viel Grün im Umfeld. Mit ansprechenden Neubauten, in denen moderne Arbeitswelten der Zukunft realisiert werden können. Nachhaltig geplant, gebaut und betrieben. Digital und gleichzeitig lebenswert.

Oder – wie es Architekt Jürgen Engel aus städteplanerischer Sicht zusammenfasste: „Mit dem Siemens Campus Erlangen soll ein internationales Forschungs- und Entwicklungszentrum entstehen. Als lebendiger, grüner Stadtteil mit starker Identität soll er sich gegenüber der Stadt Erlangen öffnen und das Unternehmen mit seinem Umfeld verzahnen.“

Das Konzept ist aufgegangen. Das bestätigten nicht nur die Ehrengäste bei der Campus-Eröffnung im Dezember 2022. Das fasste auch die Süddeutsche Zeitung in einem Bericht unter der Überschrift „Siemens baut sich seinen eigenen Stadtteil“ treffend mit den Worten zusammen: „Beim Spaziergang durch diese neue, schöne Siemens-Welt fällt allem Grün auf der Promenade, allen Kunstwerken (…) zum Trotz vor allem die geradlinige Sachlichkeit der Architektursprache auf. Klare Linien und ein dominierender, dezenter Farbton irgendwo zwischen Weiß und Grau. Eleganz statt Schrillheit.“

Innovativ in Bau und Betrieb
Bei der Realisation des Siemens Campus Erlangen zeigt sich Bauherr Siemens Real Estate einmal mehr als Innovationstreiber der Branche. Neueste Verfahren kamen zur Anwendung, teilweise lange bevor sie sich auf dem Markt etablierten. In der Planung, die vom ersten Tag an auf das Building Information Modeling (BIM) setzte. Aber auch im Bau, für den bereits im zweiten Modul die in dieser Größenordnung deutschlandweit noch nie genutzte Holzhybrid-Bauweise zum Einsatz kam.

Durch die Kombination aus Holz und Beton konnten so bereits beim Bau der neuen Bürogebäude in Modul 2 rund 80 Prozent CO2 eingespart werden. Gleichzeitig verkürzte die Vorfertigung die Bauzeit signifikant. Auch das neue Empfangsgebäude von Siemens in Modul 2 wurde in Holzhybrid-Bauweise erstellt. Seine Zahlen sprechen für sich: Im Vergleich zur herkömmlichen Stahlbetonbauweise wurden zwei Drittel weniger Beton benötigt, das Gebäudegewicht (und damit auch der statische Aufwand) verringerte sich um mehr als die Hälfte und die CO2-Belastung pro gebautem Quadratmeter sank von 750 kg auf nur noch 150 kg.

Als neues Wahrzeichen von Siemens in der Metropolregion verkörpert das Empfangsgebäude heute so nicht nur die gelebte Nachhaltigkeitsphilosophie des Siemens Konzerns, der bis 2030 klimaneutral werden will. Gleichzeitig bietet es mit dem zentralen Empfang, einem Auditorium, modernen Arbeitswelten und einem begehbaren Dachgarten auch ein umfassendes Nutzungsspektrum. Seine zweigeschossige Glasfront steht für die Transparenz, die Siemens heute auszeichnet. Dabei greift es die zeitgemäße Architektur der anderen Campus-Gebäude auf, verfügt aber über eine Fassade aus Natursteinen, die aus dem naheliegenden Altmühltal stammen. Sie zieren auch die Fassade des Siemens Headquarters in München, zu dem so eine architektonische Verbindung hergestellt wird.

„Jetzt heißt es auch offiziell `Herzlich willkommen im neuen Siemens Campus ́“, freute sich dann auch Erlangens Oberbürgermeister Florian Janik anlässlich der Campus-Eröffnung. „Das neue Empfangsgebäude symbolisiert die Pforte zu einem lebendigen, nachhaltigen und modernen Stadtteil, in dem Arbeiten, Wohnen und Leben ideal zueinander finden, einem Stadtteil, der für die Zukunftsfähigkeit, die Innovations- und Wirtschaftskraft unserer Stadt und Region steht.“

Ausgezeichnete Ökobilanz – Nachhaltig weit über den Bau hinaus
Vom ersten Tag an unter Nachhaltigkeitsaspekten geplant wird der Siemens Campus Erlangen weltweit einer der ersten CO2-neutralen Standorte von Siemens. Mit nachhaltigen Gebäuden, mit einer nachhaltigen Energieversorgung, aber auch mit deutlich mehr Bäumen und Grünflächen als vorher. Die Grundlage bildet ein umfassendes Nachhaltigkeitskonzept, das auf drei Säulen ruht: Ökologie, Ökonomie und Soziales. Neben Themen wie der Luftreinhaltung, dem Boden-, Gewässer- und Klimaschutz sowie der Biodiversität auf dem Areal beinhaltet es dabei auch eine ausgeklügelte Flächeneffizienz, die Versiegelungen vermeidet, die Umweltverträglichkeit und das ressourcen-schonende Bewirtschaften der Gebäude, Themen wie die städtebauliche Gestaltung einschließlich begrünter Dächer und Fassaden, aber auch die Mobilität, Abfallwirtschaft sowie Aspekte der Inklusion und Diversität.

Dabei wird dieses Konzept fortlaufend weiterentwickelt und an neue (bau-)technische Möglichkeiten angepasst. Allein in Modul 1 wurden auf den Dächern der acht Bürogebäude Photovoltaik-Anlagen installiert, die zusammen über 400.000 kWh Strom pro Jahr erzeugen. Über ein „Power Purchase Agreement“ (PPA) wird der zusätzlich benötigte Strom zu 100% aus Windkraft bezogen. Die Wärmeversorgung erfolgt zu 100% CO2-neutral über ein Blockheizkraftwerk für dezentrale Versorgung mit Fernwärme. Die Kälteversorgung ebenfalls zu 100% CO2-neutral von den Stadtwerken Erlangen, die die dafür benötigten Kompressionskältemaschinen ebenfalls mit ausschließlich „grünem“ Strom betreiben.

In Modul 2 wurden die Bürogebäude dann in der CO2-armen Holzhybrid-Bauweise (s. vorherige Seite) erstellt und ebenfalls mit PV-Anlagen auf den Dächern ausgerüstet. Und in Modul 8 werden die Bürogebäude als umweltfreundliche „all-electric-buildings“ entstehen.

Mit moderner Gebäude- und Energietechnik ausgestattet, kommen dabei in allen Gebäuden zahlreiche Lösungen aus dem Umwelt- und Nachhaltigkeitsportfolio der Siemens AG zum Einsatz: konsequent kombinierte moderne, digitale Technik wie Smart-Building-Anwendungen und eine intelligente Netzanbindung über ein Smart Grid. Gleichzeitig wurde bereits bei Planung und Bau der gesamte Lebenszyklus der Neubauten berücksichtigt – bis hin zu ihrem späteren Abriss und der Wiederverwertung der verwendeten Materialien.

Das zeichnet sich aus – im wahrsten Sinne des Wortes: Für alle Büroneubauten wird eine Zertifizierung nach LEED-Gold-Standard angestrebt und schon 2021 hat die IHK Nürnberg für Mittelfranken den Siemens Campus Erlangen als einziges Projekt in Erlangen und nur eines von dreien in der Region mit dem Preis für „Nachhaltige Gewerbegebiete und Gewerbeimmobilien“ ausgezeichnet.

Die Zukunft der Arbeit vorausdenken Moderne Bürowelten – Innovatives Laborgebäude
Ein langfristiges Projekt, das sich wie der Siemens Campus Erlangen über viele Jahre erstreckt, stellt die Planer vor ganz besondere Herausforderungen. Ein Beispiel: Ihren Siegeszug begannen Smartphones erst 2007 mit der Vorstellung des ersten iPhones. Das liegt weniger als 20 Jahre zurück und dennoch hat allein diese Entwicklung unsere Welt radikal verändert. Was bedeutet das für die Arbeitswelten der Zukunft und wird es dann überhaupt noch Büros brauchen? Die Pandemie hat dieser Frage zusätzlichen Antrieb verliehen.

„COVID 19 eröffnet uns die Chance, unsere Welt neu zu gestalten und die Arbeit neu zu denken“, sagt dazu Siemens CEO Roland Busch. Und Zsolt Sluitner, CEO des Campus-Bauherrn Siemens Real Estate ergänzt pragmatisch: „Ja, Büros wird es auch in Zukunft geben. Doch gleichzeitig werden sich diese Arbeitswelten verändern. Weg vom festen Arbeitsplatz hin zum Treffpunkt mit KollegInnen. Als Fixpunkt in einem ganzen Universum möglicher Arbeitsumgebungen: Vom Home Office über mobiles Arbeiten an geeigneten Orten, in Business Centern und Satellitenbüros oder Coworking Flächen. Dementsprechend werden sich aber auch die Anforderungen an diesen neuen „Fixpunkt Büro“ ändern und die die Büro-Gestaltung muss sich entsprechend anpassen.“

Der Siemens Campus Erlangen bietet mit innovativen Flächenkonzepten, modernen und agilen Arbeitswelten die dazu notwendigen Voraussetzungen. Denn Siemens Real Estate beschäftigt sich nicht erst seit dem Campus mit den Arbeitswelten der Zukunft und hat diese Entwicklungen bereits bei der Planung mitgedacht.

Das gilt auch für das innovative Laborgebäude mit angeschlossener Technikumshalle auf dem Campus. Auf rund 10.000 Quadratmetern arbeiten hier Forscher von Siemens Technology und Siemens Energy im engen Schulterschluss mit universitären und externen Forschungseinrichtungen an Zukunftsprojekten. Da schließt sich der Kreis, denn seinen Ursprung hatte das Areal als „Siemens-Forschungsgelände“. Einst drehten hier eine Magnetschwebebahn und eine Hochbahn auf eigens errichteten Teststrecken ihre ersten Runden und bereits 1965 wurde auf dem Teich des Geländes ein Motorboot erprobt, das von einer Brennstoffzelle angetrieben wurde.

Zu den Entwicklungen von morgen wird dabei wesentlich auch die Zusammenarbeit mit der Erlanger Friedrich-Alexander-Universität (FAU) beitragen. Sie wird Teil des Campus werden. Außerdem kaufte der Freistaat Bayern die ehemalige, auch „Himbeerpalast“ genannte Siemens-Zentrale in der Erlanger Innenstadt. Wegen des Campus-Projekts überflüssig geworden, soll auch hier zukünftig die FAU einziehen. Das kommt der Stadt zugute, festigt den Ruf als Innovationsstandort und zeigt einmal mehr, dass Siemens dem Thema Forschung und Entwicklung nicht nur eine extrem hohe Bedeutung zumisst, sondern auch über den eigenen Tellerrand hinausdenkt.

Grundstücksfläche:
540.000 m²

Projektvorbereitung:
seit 2013

Insgesamt geplante Module:
8 Module

Baubeginn – Bauende (Modul 1):
2016 bis 2020

Baubeginn – Bauende (Modul 2):
2019 bis 2022

Baubeginn – Bauende (Modul 3):
2020 bis 2022

Insgesamt geplante Bauzeit:
bis in die 2030er

Bauherr:
Siemens Campus Erlangen Grundstücks-GmbH & Co. KG
Architekt:
KSP Engel GmbH
Carpus+Partner AG
Generalunternehmen:
Max Bögl
Zech Bau SE
LEONHARD WEISS GmbH & Co. KG
GOLDBECK GmbH

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