Der Neubau für den Islamischen Kulturverein der ‚IGBD-Gemeinde Hidaje e.V.’ steht für einen modernen, aufgeklärten, westlich ausgerichteten Islam, wie er in Bosnien historisch geprägt ist. Als Begegnungsort, Unterrichts- und Gebetshaus soll das Gebäude die Werte und Philosophie der Religion auch über die Architektur und Gestaltung vermitteln.
Der Baukörper ist ein schlichter Kubus auf einem quadratischen Bauraum, der von einer Kuppel überdeckt ist und zwischen altem Baumbestand in das bauliche Umfeld eingebettet ist.
Die Erschließung erfolgt über einen Brunnenhof, der sich räumlich ins Gebäude verlängert, zu einem Foyer mit Seminarbereich. Beidseits sind Aufzug, Küche, zwei Garderoben vor den Treppenhäusern angeordnet. Diese erschließen die Seminarräume und die Wasch- und Sanitärbereiche im Untergeschoss wie auch den Gebetssaal im Obergeschoss. Männer und Frauen teilen sich so, bei getrennter Wegeführung, den Gebetssaal ebenso wie die weiteren Räume.
Der kreisförmige Gebetssaal ermöglicht ohne geometrische Zwänge in der quadratischen Grundform die Ausrichtung nach Mekka, wie ein baulicher Qibla-Kompass. Er ist mit einer sichtbaren Holzkuppelstruktur aus Baubuche überdeckt. Die 99 hängenden Holztafeln zwischen den 33 Bogenpaaren verweisen mit den 99 Namen Allahs auf die Unendlichkeit. Die innovative parametrisch ausgearbeitete Ingenieurskonstruktion ist dabei auch Ausdruck für Wissenschaft und Forschung. Diese haben im Islam eine historische Tradition und sind so Zeichen für Fortschritt und Weltoffenheit.
Die Form des Gebetssaals wird durch den Versatz von Ziegellagen an der Fassade bereits von Außen abstrakt vermittelt. Im Erdgeschoss bildet sich dieser über die akustisch wirksame Deckengestaltung ab. Ein in die Ziegelreihen der Fassade eingearbeiteter vertikaler Messingstreifen sowie eine hinterleuchtete Messingschiene in der Holzlamellendecke markieren die Gebetsrichtung (Qibla) nach Mekka.
Raumunterteilungen mit mobilen Trennwänden ermöglichen es im Erdgeschoss und Untergeschoss variabel auf unterschiedliche räumliche Anforderungen zu reagieren, die vom Alltäglichen, wie Sprachkurs oder Nachhilfe, Koranlesung in kleiner Runde oder Feiern wie dem großen Fastenbrechen Eid al-Fitr reichen. So ist im kompakten Volumen des dreigeschossigen Kubus eine große Bandbreite an Raumzuschnitten für unterschiedliche Nutzungsanforderungen gegeben.
Mit seiner dunklen Ziegelfassade und dem dunkel eingefärbten Beton präsentiert sich der Baukörper zurückhaltend, im Sinne eines ’Nicht mehr scheinen, als man ist’. Er wirkt festgegründet, vermittelt Sicherheit und Geborgenheit. Gleichzeitig lädt die große Fensterfassade, die sich vollständig aufschieben lässt, zum gegenseitigen Austausch ein, ist offen für Gäste, gemeinsame Veranstaltungen, wie auch für religiösen und inter-religiösen Dialog in München.
Dieses Projekt teilen:Baustart:
April 2024
(geplante) Fertigstellung:
voraussichtlich Oktober 2026
Nutzungsart:
Sakralbau, Vereinsnutzung
Fläche:
496 m²
Islamische Gemeinschaft der Bosniaken in Deutschland – Gemeinde Hidaje e.V.
Haack + Höpfner . Architekten BDA





