Quartier am Wiener Platz in Stuttgart - Baufeld Süd

Das Quartier am Wiener Platz in Stuttgart-Feuerbach verbindet vielfältige Wohnformen, soziale Infrastruktur und gemeinschaftlich nutzbare Räume zu einem lebendigen Stück Stadt

Direkt am Bahnhof Stuttgart-Feuerbach ist auf dem ehemaligen Schoch-Areal ein neues, gemischt genutztes Stadtquartier entstanden. Die Entwicklung reicht bis 2016 zurück: Damals wurde das Areal als erstes Grundstück im Rahmen des „Bündnisses für Wohnen“ der Landeshauptstadt Stuttgart auf den Weg gebracht. Damit begann eine enge Zusammenarbeit zwischen Stadt, Wohnungswirtschaft und weiteren Projektpartnern. Mit der Konzeptvergabe 2018 übernahm Neues Heim – Die Baugenossenschaft eG die Rolle des Ankerinvestors für das Baufeld Süd. Im Herbst 2025 wurde dieser Teil des Quartiers fertiggestellt.

Als Ankerinvestor übernahm Neues Heim nicht nur Verantwortung für die eigenen Gebäude, sondern auch zentrale Aufgaben bei der Koordination der unterschiedlichen Projektbeteiligten. Das Projekt ist Teil des IBA’27-Netzes und verbindet verschiedene architektonische Handschriften innerhalb eines gemeinsamen städtebaulichen Rahmens.

Auf dem 2,6 Hektar großen Quartiersareal entstanden im Baufeld Süd insgesamt 102 Wohnungen sowie sieben Gewerbeeinheiten im Erdgeschoss. Eine Kindertagesstätte und eine Tagespflege ergänzen das Angebot um soziale Infrastruktur. Das Wohnungsangebot richtet sich an unterschiedliche Lebenslagen: Neben klassischen Mietwohnungen gibt es zwei Clusterwohnungen, studentisches Wohnen, barrierefreie und rollstuhlgerechte Wohnungen sowie Angebote für Menschen mit besonderem Unterstützungsbedarf.

Zur Vielfalt des Quartiers tragen auch die unterschiedlichen Akteure bei. Genossenschaftlicher Wohnungsbau, Eigentumsprojekte und die Vorhaben mehrerer Baugemeinschaften wurden innerhalb eines gemeinsamen städtebaulichen Rahmens zusammengeführt.

Unterschiedliche Häuser, gemeinsamer Stadtraum

Städtebaulich reagiert das Quartier auf eine besondere Lage: Bahnhof, Verkehrsflächen, Gewerbe und bestehende Wohnbebauung treffen hier unmittelbar aufeinander. Die Neubauten fassen den Stadtraum und bilden zugleich einen geschützten, begrünten Innenbereich. Unterschiedliche Architekturbüros entwickelten innerhalb dieses Rahmens eigenständige Gebäude. So entstand kein homogenes Großprojekt, sondern ein Ensemble mit differenzierten architektonischen Handschriften.

Zugleich ist der Freiraum Teil des sozialen Konzepts. Gemeinschaftsflächen lassen sich flexibel nutzen – zum Treffen, Gärtnern, Spielen oder Arbeiten. Auch die Erschließung unterstützt informelle Begegnungen: Laubengänge bilden Übergangszonen zwischen den Wohnungen und gemeinschaftlich genutzten Bereichen. Mit der „WaschBar“ befindet sich im Erdgeschoss zudem ein gemeinschaftlich genutzter Raum, der eine alltägliche Funktion mit der Möglichkeit zum informellen Austausch verbindet.

Soziale Mischung als Teil der Planung

Bereits vor und während der Planung arbeitete Neues Heim mit unterschiedlichen Partnern zusammen. Dazu gehören die Diakonie Stetten, die Evangelische Gesellschaft Stuttgart (eva) und das Wohlfahrtswerk für Baden-Württemberg. Auch mehrere Baugemeinschaften sowie Stuttgarts erste Mieterbaugemeinschaft waren Teil der Entwicklung des Baufelds Süd und brachten unterschiedliche Wohnkonzepte in das Quartier ein. Neues Heim übernahm als Ankerinvestor eine koordinierende Rolle zwischen den verschiedenen Bauherren und Projektbeteiligten.

Besonders sichtbar wird die soziale Mischung in der Verbindung von Wohnen und Infrastruktur. Eine Kindertagesstätte und eine Tagespflege liegen in unmittelbarer Nachbarschaft. Hinzu kommen Gastronomie, Gewerbe und weitere soziale Angebote. Die Erdgeschosszonen übernehmen damit Funktionen für die Bewohnerschaft und schaffen zugleich Verbindungen zum umliegenden Stadtteil.

Nachbarschaft schon vor dem Einzug

Die soziale Quartiersentwicklung begann bereits während der Bauphase. 2022 übertrug die Landeshauptstadt Stuttgart dem Neuen Heim das soziale Quartiersmanagement für das gesamte Areal. Treffen und Workshops brachten künftige Bewohnerinnen und Bewohner frühzeitig miteinander in Kontakt; ein Infocontainer auf der Baustelle diente als niedrigschwellige Anlaufstelle für Interessierte und den Stadtteil.

Gemeinsam wurde zudem früh ein Quartiersleitbild entwickelt. Nach dem Einzug im Herbst 2025 lag der Schwerpunkt darauf, analoge und digitale Nachbarschaftsnetzwerke aufzubauen und Voraussetzungen für eine zunehmend selbstorganisierte Quartiersgemeinschaft zu schaffen. Informationsveranstaltungen mit den sozialen Trägern, Nachbarschaftstreffen, Workshops und eine Quartiers-App unterstützten die Bewohnerinnen und Bewohner dabei, Kontakte aufzubauen und ihr Wohnumfeld mitzugestalten.

Bauherrschaft als Quartiersaufgabe

Die Entwicklung am Wiener Platz zeigt, wie weit die Rolle einer genossenschaftlichen Bauherrschaft im Rahmen ihrer Satzung reichen kann. Die Rahmenbedingungen waren anspruchsvoll: Vor Baubeginn musste das Gelände im Zuge einer umfangreichen Altlastensanierung aufbereitet werden. Während der Bauphase kamen Lieferengpässe, steigende Baukosten und Veränderungen bei einzelnen Projektpartnern hinzu.

Neues Heim übernahm deshalb neben der klassischen Bauherrenfunktion auch koordinierende Aufgaben für das Baufeld. Als ein Investor ausstieg, übernahm die Genossenschaft eine Gewerbefläche. Die Tochtergesellschaft Neues Heim – Immobilien GmbH übernahm zudem ein weiteres Baulos und realisierte dort 13 Eigentumswohnungen.

Das Quartier am Wiener Platz ist deshalb weniger als Summe einzelner Gebäude zu verstehen, sondern als Zusammenspiel von Architektur, Freiraum, unterschiedlichen Wohnformen, sozialer Infrastruktur und Quartiersentwicklung. Die Architektur schafft dafür den räumlichen Rahmen. Wie dieser genutzt und weiterentwickelt wird, liegt nun zunehmend in den Händen der Menschen, die im Quartier wohnen und arbeiten.

Veröffentlicht am: 10.09.2026

Bauzeit:
10/2022 – 10/2025

Bauherr:
Neues Heim - Die Baugenossenschaft eG
Architekt:
blocher partners GmbH (Los 1),
Fink + Jocher (Los 2),
bodamer faber (Los 3),
ARP (Los 4.3)

Projektgalerie

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