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Quartier am Rotweg in Stuttgart

Architektur für neue Formen des Zusammenlebens

Im Stuttgarter Stadtteil Rot entsteht mit dem Quartier am Rotweg ein neues Stück Stadt, das Wohnen, Arbeiten und gemeinschaftliches Leben eng miteinander verknüpft. Auf rund zwei Hektar entwickeln Neues Heim – Die Baugenossenschaft eG und die Baugenossenschaft Zuffenhausen eG zehn Gebäude mit rund 220 Wohnungen sowie sozialen, gewerblichen und gemeinschaftlichen Nutzungen. Als Projekt der Internationalen Bauausstellung 2027 StadtRegion Stuttgart (IBA’27) stellt das Quartier dabei eine grundsätzliche Frage: Wie kann genossenschaftlicher Wohnungsbau auf veränderte Lebensformen und gesellschaftliche Vielfalt reagieren?

Der Ort selbst verleiht dieser Frage eine besondere Bedeutung. Stuttgart-Rot entstand als erste große Nachkriegssiedlung der Stadt. Genau hier errichtete die in den 1940er-Jahren neu gegründete Genossenschaft Neues Heim ihre ersten Wohngebäude. Rund acht Jahrzehnte später wird das Areal grundlegend weiterentwickelt. 2019 begann ein mehrjähriger Planungs- und Beteiligungsprozess; der anschließende städtebauliche Wettbewerb bildete die Grundlage für das heutige Quartierskonzept. Die Bauarbeiten starteten 2024, die Fertigstellung ist für das Ausstellungsjahr der IBA’27 vorgesehen.

Eine zentrale Rolle spielt dabei das Verständnis von Gemeinschaft. Neues Heim betrachtet gemeinschaftliches Wohnen nicht als ergänzendes Angebot einzelner Häuser, sondern als übergeordnetes Prinzip der Quartiersentwicklung. Gemeinschaftlich nutzbare Räume und Freiflächen, neue Wohnformen und soziale Angebote werden deshalb von Beginn an mitgedacht und räumlich miteinander verknüpft.

Unterschiedliche Häuser, gemeinsamer Rahmen

Die städtebauliche Grundlage des Quartiers stammt von ISSS research | architecture | urbanism und topo*grafik paysagistes. An der hochbaulichen Umsetzung wirken mehrere Architekturbüros mit. Statt einer einheitlichen Großform entsteht ein Ensemble aus zehn eigenständigen Gebäuden, die über Freiräume, Erschließungen und gemeinschaftliche Nutzungen miteinander verbunden sind.

Zentrales Element ist die Gemeinschaftswiese, um die sich die Häuser gruppieren. Hinzu kommen begrünte Plätze, Dachgärten, Atrien und weitere gemeinschaftlich nutzbare Bereiche. Offene Laubengänge und differenzierte Übergänge zwischen Wohnung, Erschließung und Freiraum schaffen zusätzliche Möglichkeiten für informelle Begegnungen.

Damit entsteht eine Architektur, die unterschiedliche Grade von Privatheit und Öffentlichkeit ausbildet. Gemeinschaft wird nicht verordnet, sondern durch Räume ermöglicht, die Begegnungen im Alltag erleichtern.

Wohnen für unterschiedliche Lebensphasen

Auch das Wohnungsangebot folgt dem Gedanken der Vielfalt. Neben klassischen Wohnungen entstehen Clusterwohnungen, größere Wohngemeinschaften, barrierearme und inklusive Wohnformen, Pflege-Wohngemeinschaften und Gästewohnungen. Flexible Grundrisse sollen unterschiedliche Haushaltsgrößen und Lebenssituationen aufnehmen können.

Für Neues Heim geht diese Vielfalt über die Wohnungstypologien hinaus. Ein wesentlicher Bestandteil des Konzepts sind Angebote, die das Zusammenleben im Quartier unterstützen. Dazu gehören eine Quartiersküche, gemeinschaftliche Dachgärten und Freiflächen, Co-Working-Angebote sowie Räume, deren konkrete Nutzung teilweise gemeinsam mit den zukünftigen Bewohnerinnen und Bewohnern entwickelt werden kann. Eine inklusive Kindertagesstätte, soziale Einrichtungen, Gastronomie und kleinteiliges Gewerbe ergänzen diese Infrastruktur.

Die Erdgeschosszonen erhalten dadurch eine besondere Bedeutung. Sie sind nicht nur funktionaler Sockel der Wohngebäude, sondern nehmen Nutzungen auf, die Begegnung ermöglichen und das Quartier zugleich zum bestehenden Stadtteil öffnen.

Gemeinschaft als Leitmotiv

Das Verhältnis zwischen privatem Rückzug und gemeinschaftlichem Leben prägt das Quartier auf unterschiedlichen Ebenen. Gemeinschaftswiese, Quartiersküche, WaschBar, Dachgärten und offene Erschließungsbereiche ergänzen die privaten Wohnungen um Orte für Austausch und gemeinsame Aktivitäten. Die Quartiersküche ist beispielsweise als Treffpunkt für unterschiedliche Aktionen und Feste der Quartiersbewohner konzipiert; bei weiteren Räumen kann die zukünftige Bewohnerschaft die Nutzung mitbestimmen.

Neues Heim schafft damit nicht nur die baulichen Voraussetzungen für gemeinschaftliches Wohnen, sondern beschäftigt sich auch mit der Frage, wie diese Räume später angenommen und mit Leben gefüllt werden können. Der genossenschaftliche Gedanke wird so vom einzelnen Wohnhaus auf das gesamte Quartier übertragen.

Dieser Ansatz begann lange vor dem eigentlichen Bau. Neue Formen des Wohnens und Zusammenlebens wurden bereits im Planungsprozess diskutiert und erprobt. Die Entwicklung wurde damit nicht ausschließlich als architektonische Aufgabe verstanden, sondern als Prozess, bei dem zukünftige Formen der Nachbarschaft ebenso wichtig sind wie Gebäude und Grundrisse.

Robuste Architektur und klimaangepasste Freiräume

Auch konstruktiv wird das Quartier als langfristig nutzbare Struktur gedacht. Holz- und Holz-Hybrid-Bauweisen prägen wesentliche Teile des Projekts. Robuste Tragstrukturen, flexible Innenwände sowie gut belichtete und natürlich belüftbare Grundrisse sollen Anpassungen an veränderte Nutzungsanforderungen ermöglichen.

Teilweise kommen bewusst einfache konstruktive und technische Lösungen zum Einsatz. Verschattung, natürliche Belüftung und durchdachte Grundrisse tragen dazu bei, den technischen Aufwand in den Gebäuden zu begrenzen.

Auch die Freiräume übernehmen funktionale Aufgaben. Begrünte Dächer, Retentionsflächen und eine quartiersweite Regenwasserkaskade unterstützen die Rückhaltung und Nutzung von Niederschlagswasser. Bestehende Bäume werden, soweit möglich, in die Planung integriert.

Wesentliche infrastrukturelle Funktionen soll in einem Mobilitätszentrum gebündelt werden. Neben Stellplätzen, Fahrradabstellmöglichkeiten und einer Fahrradwerkstatt sind eine Energiezentrale und eine Regenwasserzisterne geplant. Zugleich entstehen dort Büro- und Gewerbeflächen, Gastronomie, ein Gemeinschaftsgarten und ein Ausstellungsraum der IBA’27.

Teil der IBA’27

Das Quartier am Rotweg ist Projekt der Internationalen Bauausstellung 2027 StadtRegion Stuttgart. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie genossenschaftlicher Wohnungsbau weiterentwickelt und mit neuen Formen des Zusammenlebens verbunden werden kann.

Der Bezug zur Stuttgarter Bauausstellung von 1927 ist bewusst gewählt. Stand damals die Suche nach dem „Haus der Zukunft“ und einem neuen Wohnen im Mittelpunkt, richtet sich der Blick hundert Jahre später stärker auf das Quartier: auf unterschiedliche Formen des Zusammenlebens, neue Verknüpfungen von Wohnen und Arbeiten sowie auf Freiräume, die vielfältige Nutzungen aufnehmen können.

Für Neues Heim ist das Quartier am Rotweg damit zugleich eine Weiterentwicklung des eigenen genossenschaftlichen Selbstverständnisses. Die Aufgabe endet nicht an der Wohnungstür. Wohnformen, gemeinschaftliche Räume, soziale Angebote und Freiflächen werden als zusammenhängende Struktur gedacht.

Veröffentlicht am: 10.09.2026

(geplante) Bauzeit:
2024 – 2027

Fläche:
rund 2 Hektar

Nutzung:
ca. 200 Wohnungen

Besonderheit:
IBA’27-Projekt

Bauherr:
Neues Heim - Die Baugenossenschaft eG & Baugenossenschaft Zuffenhausen eG
Architekt:
ISSS research | architecture | urbanism,
EMT Architektenpartnerschaft mbB,
StudioVlayStreeruwitz ZT GmbH
Generalunternehmen:
Geiger Gruppe

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