Stadtentwicklung in Freiburg 2026/27 | Im Rahmen des dba Magazins – Ausgabe Baden-Württemberg 2027 thematisiert Prof. Dr. Martin Haag, Erster Bürgermeister der Stadt Freiburg, in einem Grußwort die aktuelle Stadtentwicklung.

Liebe Leser*innen, liebe Interessierte an Freiburgs Stadtentwicklung,
Tor zum Schwarzwald und sonnigste Stadt Deutschlands, Umwelthauptstadt und Greencity, Fahrrad- und Studierendenstadt, – Freiburgs Beinamen sind historisch gewachsen oder Werbeslogan, aber sie spiegeln auch die städtebaulichen Besonderheiten der Stadt.
Als Tor zum Schwarzwald zwischen Oberrhein und Hochschwarzwald ist die Stadt seit jeher attraktiv. Zugleich begrenzen Topografie, Waldflächen und die fruchtbaren, agrarisch genutzten Flächen die Siedlungsausweitung erheblich. Daher setzte die Stadt schon früh auf kompakte, quartiersorientierte Stadtentwicklung statt Zersiedelung.
Die sonnigste Stadt Deutschlands zu sein war einst ein Standortvorteil, in Zeiten des Klimawandels wird das zur Herausforderung. Der vergangene Hitzesommer hat noch einmal unterstrichen: Klimaanpassung muss in der Stadtentwicklung eine zentrale Rolle spielen.

Die Umwelthauptstadt oder Green City Freiburg profitiert dabei schon seit Jahrzehnten von einer starken Umweltbewegung, die sich schon in den 1970er Jahren etabliert hat. In der Fahrradstadt ist die Mehrheit der Bevölkerung per Rad, ÖPNV oder zu Fuß unterwegs und nutzt dabei auch rege die Sharing-Möglichkeiten – nicht zuletzt die 33.000 Studierenden. Dass sie Deutschlands südlichste, aber doch kleine Großstadt als Studienort und häufig auch darüber hinaus als Lebensmittelpunkt wählen, verdeutlicht, wie attraktiv Freiburg ist. Das macht die Stadt lebendig und sorgt für erhebliches Einwohnerwachstum – bringt aber auch eine große Herausforderung mit sich: Bezahlbarer Wohnraum ist knapp.
Darauf hat Freiburg früh reagiert: In den 1990er Jahren entstanden auf Konversionsflächen das Rieselfeld und das Quartier Vauban. Letzteres gilt bis heute als Modell für nachhaltiges Bauen und autoarme Stadtentwicklung. Zahlreiche Baugruppen und Wohngenossenschaften sowie eine intensive Bürgerbeteiligung haben nachhaltig zu einer hohen Identifikation der Bewohnerschaft mit dem Stadtteil geführt.
Dieser ganzheitliche Ansatz prägt heute Freiburgs Stadtentwicklung: Räumliche, soziale, ökonomische und ökologische Ziele werden aufeinander abgestimmt, sodass sie räumlich wirksam und sozial gerecht umgesetzt werden können.

Nach diesem Prinzip verwirklichen wir gerade den neuen Stadtteil Dietenbach für rund 16.000 Menschen. Die Vermarktung der Grundstücke erfolgt als Konzeptvergabe zum Festpreis: Der Zuschlag geht an die überzeugendsten Konzepte.
Verschiedene Wohnformen mit 50 Prozent gefördertem Mietwohnungsbau schaffen eine vielfältige und lebendige Nachbarschaft, in der Menschen unterschiedlichen Alters und in unterschiedlichen Lebenssituationen zusammenkommen. Wohnen, Arbeiten, Bildung, Versorgung und Freizeit sind räumlich eng verzahnt. So entstehen kurze Wege und Begegnungen in einem Stadtteil, der allen offensteht und gut zugänglich ist.

Aber auch über den Stadtteil hinaus, machen Stadtbahn, ein gutes Radwegenetz und Carsharing die Bewohner*innen unabhängig vom eigenen Auto. Parkmöglichkeiten gibt es – ähnlich wie im Vauban – nur abseits der Wohnstraßen in Quartiersgaragen. Photovoltaikanlagen, die Nutzung von Grundwasserwärme und weiterer CO₂-neutraler Fernwärme sichern eine klimaverträgliche Energie- und Wärmeversorgung.
Öffentliche Gebäude werden nachhaltig und multifunktional geplant. Auch die beiden Parks sind nicht nur Grünflächen, sondern Regenrückhaltebecken und Veranstaltungsorte, Spiel-, Sport- und Klima-Ausgleichsflächen.
Der neue Stadtteil Dietenbach führt so den Weg fort, den wir als Stadt vor mehr als 30 Jahren gemeinsam mit den Bürger*innen eingeschlagen haben: Wir schaffen vielfältigen Wohnraum, stärken das Miteinander und bewahren dabei die herausragende Natur, die unsere Stadt so besonders und lebenswert macht.
Prof. Dr. Martin Haag
Erster Bürgermeister der Stadt Freiburg





